Hundeführerschein in Berlin - Das Wichtigste auf einen Blick

vonJasmin Goldschmidt

Der Hundeführerschein ist ein Befähigungsnachweis für Hundehalter. Mittels Prüfung kann Hund und Halter den Hundeführerschein erlangen. Allerdings gibt es bundesweit Unterschiede in den einzelnen Inhalten. Wir geben Einblick in die wichtigsten Fakten zum Berliner Hundeführerschein.

Wozu dient der Hundeführerschein?

Mit dem Hundeführerschein zeigst Du, dass Du Dich mit Deinem Hund im Alltag und in der Öffentlichkeit so bewegen kannst, dass Ihr niemanden belästigt oder gar gefährdet. Nicht alle Menschen freuen sich über unsere vierbeinigen Begleiter. Umso wichtiger ist es, dass man sich als Hundehalter rücksichtsvoll verhält. Merken Passanten, dass die Hunde verantwortungsvoll und sicher geführt werden, erhöht dies die Akzeptanz und das Miteinander in der Gesellschaft.

Der Hundeführerschein ist nicht gesetzlich vorgeschrieben. Aber es gibt vielfältige Gründe, weshalb es sich lohnt, sich doch für ihn zu entscheiden.

Einem Hund, der gut auf Signale hört, kann man deutlich mehr Freiheiten einräumen. Wer möchte seinen Hund schon ableinen, wenn man sich nicht sicher ist, ob er wiederkommt oder über die Straße rennt?

Zudem stärkt ein gutes Miteinander die Mensch-Hund-Beziehung. Es bringt beiden Freude, wenn Mensch und Hund sich miteinander beschäftigen und auf ein Ziel hinarbeiten. Geschiet dies in einer Gruppe, zum Beispiel in Form eines Kurses in der Hundeschule geschieht, lernt man noch andere Hundebesitzer kennen. 

Es gibt aber auch rechtliche Vorteile.

Im Januar 2019 trat mit der „Verordnung zur Durchführung des Hundegesetzes“ das im Juli 2016 neu beschlossene Berliner Hundegesetz vollständig in Kraft. 

Es regelt unter anderem, dass Du eine Sachkunde vorweisen musst, wenn Du Deinen Hund in Berlin auf unbelebten Straßen, Plätzen und Brachflächen ohne Leine laufen lassen möchtest. (In ausgewiesenen Hundeauslaufgebieten ist eine Sachkunde weiterhin nicht erforderlich.) Falls Dein Hund als gefährlicher Hund eingestuft ist, reicht der Hundeführerschein allerdings nicht für die Leinenbefreiung aus.

Die Sachkunde

Sachkundig ist, wer sich mit der Haltung von Hunden auskennt und fähig ist, seinen Hund im Alltag so zu führen, dass niemand belästigt oder gefährdet wird. Mit einem Hundeführerschein stellst Du genau diese Kenntnisse und Fähigkeiten unter Beweis.

Hund sitzt auf einer Wiese und schaut zum Herrchen

Hundeführerschein gleich Hundeführerschein?

Nicht jeder Hundeführerschein wird in Berlin für die Leinenbefreiung anerkannt. Das liegt daran, dass es noch keine Vereinheitlichung im Bundesgebiet gibt. Kommunen und Hundeverbände haben unterschiedliche Prüfungsordnungen. Berlin hat in der Rechtsvorschrift (Januar 2019) genau festgelegt, wie die Prüfung des Berliner Hundeführerscheins aussehen soll. Dieser wird somit selbstverständlich in den Berliner Ordnungsämtern anerkannt. Neben dem Berliner Hundeführerschein wird in den meisten Fällen auch der Hundeführerschein des Berufsverbandes Hundeerzieher und Verhaltensberater (BHV) der Stufe 3 in Berlin anerkannt.

Nicht zu verwechseln ist die Begleithundeprüfung mit dem Hundeführerschein. Die Begleithundeprüfung ist in der Regel erforderlich, um an weiteren Prüfungen oder Turnieren im Hundesport (Agility, Obedience) teilzunehmen und wird aktuell nur selten als Sachkundenachweis anerkannt.

Wenn Du den Hundeführerschein mit dem Ziel der Leinenbefreiung in Berlin machst, solltest Du Dich vorher genau bei Deinem Ordnungsamt erkundigen, ob die jeweilige Prüfung (außer es ist ausdrücklich der Berliner Hundeführerschein) ausreicht.

Im folgenden Artikel fokussieren wir uns auf den Berliner Hundeführerschein.

Die Vorbereitung 

Um die Prüfung zu bestehen, bieten viele Hundeschulen eine Vorbereitung auf den Hundeführerschein an. Dies kann als Einzeltraining oder in einem Gruppenkurs geschehen, je nachdem, was für Dich und Deinen Hund sinnvoll ist und woran Ihr beide Spaß habt. Die Vorbereitungszeit hängt stark von Deinem Kenntnisstand und dem Können Deines Hundes ab. Ein 6-stündiger Vorbereitungskurs kann ausreichen, in anderen Fällen ist eine intensivere Vorbereitung nötig. Im Falle, dass Du gerade erst begonnen hast mit Deinem Hund zu üben oder Dein Hund mehr Zeit benötigt, weil er beispielsweise ängstlicher ist als andere Hunde, empfiehlt es sich, genügend Zeit einzuplanen. Damit stellst Du sicher, Dich und Deinem Hund keinen unnötigen Stress auszusetzen. Hast Du dir eine Hundeschule ausgesucht, wird meist in einem Telefonat oder bei einem ersten Termin gemeinsam mit dem Trainer geschaut, wo Du und Dein Hund stehen und welches Training für Euch geeignet ist. 

Chihuahua sitzt bei Frauchen auf dem Schoß

Voraussetzungen

Um den Hundeführerschein abzulegen, muss der Hund mindestens ein Jahr alt sein und einen Mikrochip haben. Dies ist ein kleiner Chip, der von einem Tierarzt unter die Haut gelegt wird. Auf dem Mikrochip ist eine Nummer gespeichert, die den Hund eindeutig identifizierbar macht. Alle Informationen zur Kennzeichnung deines Hundes im Hausbesuch, erhältst du bei uns auf der Homepage. Auch muss man in Berlin für den Hund eine Hundehalterhaftpflichtversicherung haben und ihn beim Ordnungsamt angemeldet haben.

Neben den erwachsenen Hundehaltern dürfen auch Kinder oder Jugendliche die Prüfung ablegen, wenn sie körperlich und geistig in der Lage sind, den Hund zu führen. 

Die Prüfung

In einigen Fällen können die Trainer auch am Ende der Vorbereitung die Prüfung selbst abnehmen. Sollte Dein Trainer hierfür nicht die Erlaubnis haben, ist es ohne Probleme möglich, den Hundeführerschein bei den anerkannten Prüfern zu absolvieren.

Der Berliner Hundeführerschein besteht erstens aus einem theoretischen Test mit insgesamt 30 Fragen, von denen Du 70 % richtig beantworten musst. Die Fragen zum Berliner Hundeführerschein und alle weiteren Infos kannst Du hier erhalten.

Sie behandeln die Themenbereiche Lernverhalten, Erziehung, Hundeverhalten, Körpersprache, Umgang mit Kindern, Verhalten in der Öffentlichkeit und Rechtsgrundlagen der Hundehaltung.

Der zweite Teil des Hundeführerscheins ist eine praktische Prüfung mit Deinem Hund. Dieser Teil ist nicht mit einem Wesenstest zu verwechseln. Es wird nicht der Charakter des Hundes getestet, sondern ob Du Dich mit Deinem Hund verantwortungsvoll und ohne jemanden zu belästigen in der Gesellschaft bewegen kannst. Dies bedeutet, auch wenn ein Hund nicht jeden Menschen freudig begrüßt, ist dies erstmal kein Ausschlussgrund, den Hundeführerschein zu bestehen. Es geht vielmehr darum, dass der Halter seinen Hund richtig einschätzen kann und mit seinem Hund so gut umgehen kann, dass niemand in eine unangenehme Situation gebracht wird. Hierzu gehört es, die Körpersprache der Hunde zu verstehen, die Lerngesetze anwenden zu können und natürlich, dass der Hund die Signale, die der Hundehalter gibt, auch ausführt. Aus diesem Grund ist der Hundeführerschein auch eine sogenannte Teamprüfung. Es wird das jeweilige Mensch-Hund-Team geprüft und gilt dann auch nur für diese Konstellation. Möchte eine weitere Person den Hund ohne Leine laufen lassen oder gibt es einen weiteren Hund im Haushalt, muss die Prüfung für die weitere Konstellation neu abgelegt werden.

Die Aufgaben der praktischen Prüfung spiegeln alltägliche Situationen wider. Der Hund soll in ablenkungsarmer Umgebung Signale wie „Sitz“, „Platz“ oder „Steh“ sowie „Bleib“ zeigen können. Des Weiteren soll der Hund auch nicht unentwegt an der Leine ziehen und zeigen, dass er Gegenstände, wie beispielsweise ein Spielzeug, auf ein Kommando wieder hergibt.  Zudem werden Begegnungssituationen getestet: Wie verhält sich der Hund, wenn der Prüfer dem Halter die Hand schüttelt, sich in einer bedrohlichen Körpersprache dem Hund nähert, eine andere Person plötzlich wegrennt oder er an anderen Hunden vorbeilaufen muss? Der letzte Teil der praktischen Prüfung gleicht dann einem Stadtspaziergang. Hier werden unter anderem Rückruf, Bleib-Übungen, das Passieren von Menschenmengen, Radfahrern und Kindern sowie die Orientierung des Hundes zum Halter überprüft. Der Hund läuft hierbei ohne Leine und muss durch den Halter gut kontrollierbar sein. 

Bei bestandener Prüfung erhält man eine Urkunde.

Kosten

Die Kosten belaufen sich für die Theoretische Prüfung auf 30,00  € und für die Praktische Prüfung auf ca. 60,00 €. Auch die Hundeführerscheinprüfungen der anderen Verbände befinden sich in diesem Preissegment.

Nachdem man den Hundeführerschein erfolgreich abgelegt hat, reicht in den meisten Ordnungsämtern derzeit noch ein formloses Schreiben an das im eigenen Wohnbezirk befindliche Ordnungsamt, mit der Bitte um Anerkennung des Hundeführerscheins als Sachkundenachweis und der Befreiung von dem allgemeinen Leinenzwang. Mit eingereicht werden müssen ein biometrisches Passbild, die Kopie der Hundeführerscheinurkunde und eine Erklärung, zu welcher Rasse der Hund gehört bzw. welche äußerlichen Merkmale er aufweist. Die Veterinärämter erheben hierfür eine Bearbeitungsgebühr, die derzeit zwischen 40,00 € und  60,00 € liegt. Dafür erhält man einen Ausweis in Form einer Scheckkarte (Hierfür wird das Passbild benötigt.), der die Befreiung von der allgemeinen Leinenpflicht dokumentiert.

Insgesamt kann es ein sehr schönes Gefühl sein, Dich mit Deinem Hund auf die Reise zum Hundeführerschein zu begeben. Nach bestandener Prüfung ist die Freude meist sehr groß und der Hund hat sich eine extra tolle Belohnung verdient.

Sollten noch Fragen zum Hundeführerschein offen sein, kann ein Hundetrainer in Deiner Nähe Dir sicher bei der Beantwortung helfen.

Benötigt Dein Hund noch den fälschungssicheren Mikrochip? Hier kannst du bequem einen tierärztlichen Hausbesuch zur Kennzeichnung anfragen.

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